Elternmilch

Ausnahmsweise sei dir meine Meinung erspart. Damit folgt eine wahllose Aufzählung, was weder Kolumne noch Kommentar ist, zu ff. Grünschnabel-grüne, lilafarbene Begrifflichkeiten ohne sachdienliche Hinweise

Freiheit

Manchmal scheinst du mir nicht ganz bei Verstand. Da redest du, wie du denkst: ohne Sinn. Plapperst nach. Plapperst drauf los: Freiheit; dein momentanes Lieblingswort.

Deutsche. Post

Wirklich, ich gebe mir alle Mühe dich zu verstehen. Seit dem 04. Februar 2021, dem Tag deines „Ersttagsstempel“, zermartere ich mein Hirn, liebes SONDERPOSTWERTZEICHEN mit dem ur-deutschen, nicht-enden-wollenden Namen, WER bist du? Frau Holle mit „märchenhaften Zuschlagsmarken“. „Spiegel der Zeit. Botschafter unseres Landes. Kunstwerk im Miniaturformat. Echter Wohltäter“. Ja, da staunst du, welche Hymnen dir die Deutsche Post und das Bundesfinanzministerium singen. Und obendrauf das Wörter-Sahnehäubchen

Spahn. Werbung

Wahrscheinlich trug sich es sich so zu: Drei mehr oder weniger Werber treffen sich bei Zoom. Stöhnt der eine „Shutdown“. Kontert der andere „Impfstoff“. Sülzt der Dritte „Spahn“. Gute Sache; das. Gepitcht und im Sack. Läuft.

Jawohl!

Der Mensch muss an die frische Luft. Hörst du alle Zeiten allerorten in der Pandemie. Und weil du tust, was man dir sagt, schlappst du die Maske vor Mund und Nase. Haust die Mütze um die Ohren. Den Mantelkragen hoch. Schal umschlungen. Fahrrad raus. Und ab dafür.

Berlin. Visit

Ja, da reibst du dir die Augen. In deinem Bettchen hinter den sieben Bergen: In Berlin, der „Stadt extremen Freiheitswillens, …ist immer was los“. Das weißt du, weil alle das sagen; die Werber, die von Welt..

Zeitfenster. Pandemie

Da willst du, sagen wir mal: Auf der Stelle – sofort – spontan sein. Sozusagen: Ober-Ober-Postwendend. Vorbei. Tom Dooley, auch du.

Duden, du

Du hast sie schnell begriffen, wenn auch nicht im Griff; die neuen Begriffe. Die neue Normalität giert nach neuen Wörtern. Wortschatzforscher, du. Der „Dudenkorpus“, eine Textansammlung von dato fünf Milliarden Wörtern, wächst und wächst. Frisst und frisst sich voll. Mit dünnen oder dicken, schweren oder leichten Worten aus Zeitungsartikeln. Romanen. Gebrauchsanweisungen. Bastelbögen, Kolumnen. Der ganze Klumpatsch zeigt des Deutschen Wortschatz; vom Ungeborenen bis zum Wiedergeborenen. Ja, da staunste. Und nun der oder das Virus. Und die Corona-Sprache.

Beinamen

Du trägst nicht nur einen, zwei oder mehr Namen. Du hast derer unzählig viele; Beinamen. Durch deinen Beruf. Den Namen deines Vaters. Durch deine Herkunft. Da wirst du „König von Mallorca“, „Spatz von Paris“, „Retter von Istanbul“, oder „Mother Monster“ gerufen. Mit Beinamen bist du identifizierbar. Auf dem Amt. Beim Arzt. Bei der Hausverwaltung

Corona. Korona

Mein kleiner Schlaumeier unter den großen Dummköpfen. Du bist gewitzt und auch (halbwegs) gebildet. Du kannst differenzieren zwischen Fake und Fakt. Zwischen „C“ und „K“. Corona und Korona. Du bist ja nicht blöd: Du Mediamarkt.

Tugendwächter

Weh‘ dir, du wagst es einen Witz zu machen. Sagen wir mal: Über „die Keule“ in Nachbars Schweine-Garten. Chinesinnen, die mit Stäbchen suchen Cannelonis zu verdrücken. Omas, die im öffentlich-rechtlichen Hühnerstall als Umweltsäue tönen.

Deutsch. Sooo…

Da stehst Du mit deinem Hund auf dem Fußballplatz und siehst nicht des Köters Scheiße, sondern was? Genau: Ein Riesenplakat, auf dem ein hündisch blickender Dackel spricht: „Das ist sooo deutsch„.

Klima. Streik

Stell’ dir vor, du musst, was du nicht willst, den Führerschein für den E-Roller machen. Da sitzt du beim TÜV SÜD in einem Kabuff. Kaust auf dem Tablett-Stift rum und rätselst: Welches der hier stehenden Worte ist, weil unlogisch, Schwachsinn:

Tierisch

Gib es zu, ich kenne dich: Wann immer der Tierschutz ruft, stehst du am Unterbarmer Bahnhof in deinem Wald- und Wiesen-T-Shirt. Du also in so einem Teil. Rufend. Schreiend. Und zack bleiben die Leute stehen. Oder machen sich hurtig vom Acker, weil sie ein schlechtes Gewissen ob ihres proppevollen Mundes mit dem Burger Kaiser haben. Respekt. Respekt. Du hast was von einem hohen Tier.

Bewertung. Echt jetzt?

Da stehst du auf; wie alle Tage. Drinnen trübes Licht. Draußen trübe Sicht; alles grau in grau. Da tust du deine Pflicht; wie alle Tage: Auf dem Amt, der Baustelle oder der Pflegestation, was allesamt das Gleiche ist. Machst und tust. Werkelst und wurstelst. Dafür kein Bitte. Und kein Danke.

Berliner. Schnauze

Pass ma uff, Keule. S-Bhf. Oranienburger Str. Treppe runter. Die Bahn rauscht ein. Du fährst deine Ellenbogen raus. Bahnst dir einen Weg durch das stehende, sitzende, lärmende, Döner-futternde, Touristen-App-studierende Volk. Erspähst einen Sitzplatz, der hier eine rare Angelegenheit ist. Platzierst deinen Allerwertesten. Schlägst deine Zeitung auf. Da passiert es, da passiert ER:

Buzz. Word

Ja, da FRAGST DU DICH: Was ist denn Das? Die Der Buzzword? Schreiben irgendwelche Deppen ihr Bussi-Busserl-Küsschen jetzt mit „z“? Oder was? Bist du elendig dumm wie die Bussi-Bussi-Gesellschaft? Buzzwords, wir schreiben und sprechen selbstredend word-lich Englisch , sind hochgestochen klingende Nichts: Geschwafel, Blabla, Wischiwaschi: Silben, Wörter, die dir um die Ohren rauschen, krachen, donnern. Davon wirst du ganz irre, zweifelst an dir. Konsultierst einen Psychiater, weil dir der Unterschied zwischen Remmidemmi und Rambazamba nicht einleuchten will. Du aber, der du ein Abgeordneter aus Untersprockhövel, eine autofahrende Bischöfin oder was-weiß-ich bist, erstarrst beim Vernehmen eines Buzzword zur Salzsäule wie Lots Frau in der Bibel. Und nimmst an, Gott habe daselbst zu dir gesprochen.

Deal with it.

Des Deutschen an und für sich lieb gewonnenes Wort lautet seit geraumer Zeit: Großartig. Damit kommentiert der Mensch beinahe alles. Die Entscheidung im Fall Maaßen? Großartig. Der Straßenbelag? Großartig. Die ungelegten Eier? Großartig. Alles groß. Alles artig. Alles erlaubt. Alles deutsch.

Sprache ist eine Waffe. (Tucholsky)

Wie wahr, wie wahrhaftig: Worte können dich erschlagen. Verletzen. Fertigmachen. Ätzend sein. Dein Gehirn vergiften. Dein Denken töten. Dich sprachlos, mundtot machen. Wo Menschen sterblich sind, sind Worte nicht vergänglich. Bleiben hängen. Prägen sich ein. Erzeugen Assoziationen. Bei Zitrone denkst du: „Uh, wie sauer“. Und bei „Flüchtlingswelle“ steht dir „das Wasser bis zum Hals“. Solche Bilder verselbstständigen sich, wenn du dein Denken nicht dagegen hältst. Alles und alle sind da gleich: schlecht, heimtückisch, kriminell oder sonstiges PillePalle.

Leere Worte. Teuer Geld.

Mit dem alles-in-einem-Verb-Substantiv-Adjektiv HYGGE geht die Müsli-Yoga-Kuschel-Kur los: „Das Einfach glücklich sein“ und „Das Gutsein“. Damit hyggst du dich hyggelig, was die Kohle hergibt.

Achtsamkeit.

Hab-Acht. Achtung. Obacht. Vorsicht. Hier kommt mit Ommm: Die ACHTSAMKeit aus der Familie der Nomen est omen: -keit, -heit und -ung. Allemal gewaltiger, größer und potenter als das kleine „achtsam“-Adjektiv. Warum das Nomen auch in aller Munde wie Geldbeutel ist.

Passwort

Was hast du nicht alles versucht. Den Rosenkranz gebetet. Den Heiligenkalender zerfleddert. Grade und Dutzende am Roulette Tisch hypnotisiert. Gewürfelt, was die Steine hergeben. Und dann, dann endlich hast du es: E4711hlTGu7pf???我. Das 49igste deiner, kleinen Durchschnittsbürger-50-Passwörter.

Hash Tag

Das Ding mit dem Symbol # und dem „tag“ ist omnipotent. Im Netz. In der BILD-in-der-Hand. Auf dem Toilettenpapier. Hasch-Mich’s ohne Ende. Ohne Lattenkreuz scheint das geschriebene Wort nackig, teigig, läppisch. Der Hashtag krallt sich jeden deiner Buchstaben; was du auch liest, was du auch schreibst. Das Teil # ist allmächtig. Darum musst du tun, wozu es dich zwingend zwingt:

Strich. Gestrichen voll.

Dreh dich nicht um. Der Strich geht rum. Mitten. Unten. Durch. Streicht der Strich durch, was ihm unter die Linie kommt. Ob das Sinn macht oder nicht. Hauptsache: Strich. Aussage hin. Aussage her. Der Inhalt ist gestrichen. Die Worte futsch. Der Buchstaben ledig, steht der Strich im Nichts.

Punkt. Ausschlag

Der Duden spricht: Der Punkt ist „ein kleiner (kreisförmiger) Fleck, Tupfen“. Da kannst du reden, seiern, sabbern, was du willst. Am Ende steht der Schlusspunkt oder Satzendepunkt. Das vergisst du gelegentlich. Palaverst und schreibst dann ohne Punkt und Komma. Bei WhatsApp was Facebook ist. SMS oder Twitter. Aber was soll’s: Hier ist „das Texten“ dein Privatgeschäft.

ePerso. D E R

Dolle Sache das. Mit dem „neuen elektronischem Personalausweis“ (nPA) der satte sieben Jahre alt, auch im März 2017 noch zeitnah, sprich „neu“ genannt wird. In dem „neuen“ Heftchen in deinen Händchen liest du staunend: „Liebe Bürgerinnen und Bürger… der Neue kann viel mehr. Speicherung der Fingerabdrücke für mehr Sicherheit… dauerhaft wirksam geschützt“.

Trump. A u c h

Wo du beim „eigentlich“, was wie das „zwar“ ist, hinterhältig denkst und aufgeblasen schreibst, kannst du beim „auch“ nicht viel falsch machen. Die vier Buchstaben setzen vorwärts-rückwärst-seitwärts-ran. Am Ende ist alles wie es ist. Das gilt  a u c h  für dich. A U C H wenn ich dir das schon dreimal gesagt habe.

Gerede; eigentlich

„Was macht die Arbeit?“ Wohin geht es in Urlaub? Wohnt ihr noch in Untersprockhövel? Alltagsfragen. Normale Fragen? Ich sage Nein! Weil zwischen den kleinen belanglos, ausgesprochenen Worten ein großes schweigsames Füllwort in der Luft schwebt: Das „eigentlich“ – dass das Eigentliche ist. Das sprechen wir nicht aus, wenn wir fragen. Wobei wir erwarten, nein inständig hoffen, dass der Angesprochene antwortet „Wir machen Urlaub in Griechenland, aber – eigentlich…“ Hah, auf eben diesen Halbsatz lauern wir hinterrücks und doppelzüngig. Den scannen und zoomen wir wie ein Zombie über die Hirne und Zück-die-Karten-Hände der Konsumenten.

Mit Sicherheit 2

…Sicherheit geht nur mit Ausrufezeichen! Da bin ich mir GANZ, nein VÖLLIG sicher! Sicherheit schreit nach multiplen Adjektiven und Ausrufe. Zeichen. Das verleiht der Sicherheit größten Nachdruck; gezuckert mit süßlich schmeckender Seriosität.

Müller, Berlin

…,ist NICHT der Loriot’sche Müller-Lüdenscheidt. Da sei das trennende Komma nach dem Müller vor. Und auch die Badewanne, in der Müller-Lüdenscheidt auf Herrn Dr. Klöbner trifft. Und erst recht der Dialog der Herren. Das hat wahrlich Witz und Verstand. Müller, Berlin aber liegt nicht in der Badewanne, auch nicht mit Claudia, so wie einst Rudolf Scharping, geschasster Verteidigungsminister der BRD mit seiner Geliebten und der BUNTE.

Das Ausrufezeichen

! Der Strich mit dem Punkt darunter ist schwer en vogue. Wo einstmals eines reichte, am Ende deines Satzes, reihen – und reihern sich heute Ausrufezeichen en masse. In Chats. In Foren. In Geschäftsbriefen. Und auf der Klotür, auf der geschrieben steht: „Rainer-Maria, ich liebe dich“! Wahrlich wo du sitzt und stehst. Überall schreit das Ding dich an: “Lass das“! Nein! So nicht“! Ich warne Dich“! Einfach. Zweifach. Dreifach. Was sage ich: Zehnfach. Ein Ausrufezeichen nach dem anderen. Dicht an dicht. Keine Widerrede. Kein Einwand. Keine Argumente: Das Ausrufezeichen verbietet (sich) den Dialog. Und auch die Frage. Wo das Fragezeichen grübelt und sinniert, befiehlt das Ausrufezeichen: „Schluss der Debatte“!!!!

Flüchtlinge

… heißen neuerdings „FLÜCHTI„. Das soll liebevoll sein. Wie, wenn Herr Müller in seinem bergischen Wohnzimmer in Untersprockhövel an der Wupper – Frau Müller „Schatzi“ oder „Mausi“ nennt.

ToDo; DU ღ

… hast in 0,35 Sekunden10.700.000 Treffer. 24 Stunden lang nur ein Gedanke DU … finden 203. 748 Menschen geil. DuDuDu &’ Für immer nur Du*_* … gefällt 10.482 Leuten. DU NUR DU && IICH FÜR IIMMER UND EWIIG … jubeln 10.510 people.

Bombe

Die Bombe ist eine böse Sache; derer es viele gibt: Atombomben. Präzisionsbomben. Stabbrandbomben. Splitterbomben und was weiß ich. Oder Fassbomben wie jetzt in Syrien. Da, wie in vielen anderen Ländern der Welt, ist Krieg.

Vokabular; definitiv

„DEFINITIV“ sagst du, wenn die Sache für dich entschieden ist, schließlich bist du wer – und nicht irgendjemand. Was du tust ist definitiv wichtig; geschäftlich wie privat. Das bedarf Charakterstärke und Entschlossenheit. Klare Ansage statt Wankelmut; definitiv.

Ausrede: Aber…

Das ABER ist ein wunderbares Bindewort. Wie der Soßenkleber mit dem Frau Knorr die Gulaschsuppe verdickt, wenn Herrn Maggi das Wort im Halse stecken bleiben soll. „Schatzi“, knödelt es dann fix „die Brühe ist ganz wunderbar, aber…“. Da ruckelt der Mensch verwundert mit dem Kopf. Wartet auf das, was nach dem „aber“ kommt, was nicht passiert. Weil „das Aber“ dazu geschaffen ist, Ausgesprochenes mit Unausgesprochenem zusammen zu pappen. Das Lob auszuposaunen und die Strafe in der Luft schweben zu lassen.

Gender; Unterstrich

„… bringt uns wahnsinnig viel, weil es unser Bewusstsein verändert“, offenbart die Germanist_In Anna Babka; was der „Rat für deutsche Rechtschreibung“ wie folgt exemplifiziert: Der Strich unter ist „orthographisch weder falsch noch orthographisch richtig. Er ist nicht vorhanden, aber es gibt ihn.“ WHOW!

Fürwort: ICH

Wir ICHs. WIR BEIDE; wohin das Auge schaut, wem das Ohr gehorcht. Vor der Tagesschau. Am Laternenpfahl. In der BILD. Zwischen Papst und Frau Merkel. Auf TWITTER, YouTube und haste-nicht-gesehen. WIR-Gefühle allerorten. Auf Arbeit. Auf Amt. In Familie. Volk und Nation. Weltmännisch und Weltfraulich.

Durchsage: Hahaha

HAHAHA schreib ich manchmal, obwohl ich gar nicht lachen muss“, ist exakt 8.616 mal bei Facebook verlikt. „Haha der war gut hahaha.“ 19.334 Likes. Du steigerst dich. „Hihihi! Hahaha! Hohoho“ postest du postwendend retour.

Anrede: Hallöle

Hallöle Leute. Hallöle zusammen. Hallöle ALLE zusammen tönt es allerorten aufgeweckt aus tiefstem Herzen. „Hallöle Karl-Theodor“, grüßt du forsch den Anderen. „Hallöle Frau Doktor“, schwadronierst du allenthalben. Wir sind beinah auf „Du“. Was sollen da die Förmlichkeiten? Was das Gerede und Geschreibsel von „Sehr geehrter…“oder „Liebe…“? Hallo? Noch ganz dicht? Von wem hast du die lockre Schraube?

Wortschwall: Ich persönlich

Das ICH ist persönlich. Ganz und gar; dem Fürwort sei Dank. Darum sage und schreibe ich auch immer: „Ich persönlich„. Das ist zwar ein doppelt-gemoppelter weißer Schimmel. Aber das muss sein: Die drei Buchstaben halten das Leben zusammen; sind die Zeichen der Zeit, auf denen ich buchstäblich sitze. Das nehme ich persönlich auf mich. Auch wenn es dich stört:

Sprücheklopfer: Gerne

GERNE vernimmt man allerorten – gern.“Gern“ säuselt der Top-Consult für Top-Verträge mit provisionsreichem Abschluss. „Gern geschehen“ schreit der Pflegehelfer in der kultursensiblen Pflege dem Kunden in die Windel. „Gern“ schleudert der Abgeordnete dem seiner Rede mäßig folgenden Applaus entgegen.

Wahlgang

Gewählt ist gewählt. Stinkkäse kommt mehr Gusto zu als Harzer. Christlich, sozial, liberal warten auf als Volkspartei. Äpfel und Birnen fallen vom Baum. Alles Spezies einer Sorte. Nimm und iss. Konsumier‘ und kostümiere dich. Unterschiede gibt es nicht. Basta. Aus. Was macht das schon. Die Konkurrenz ist künstlich und nicht günstig. Das ist die Option. Dein gutes Recht zu wählen: zwischen „strahlendweiß“ und „ultraweiß“.

In Wahrheit; ehrlich

Offen gesagt: unser Adjektiv ist grundanständig und grundaufrichtig. Davon zeugt das „Supergrundrecht“ auf Sicherheit, das der ehrliche Mensch Friedrich erfunden hat. Wozu Frau Merkel „ehrlich gesagt“, ergänzt: „Deutschland ist kein Überwachungsstaat“. Um allerdings „ganz ehrlich zu sein“, überlegt Herr Gauck, ob er noch offen telefonieren oder mailen kann. Ja, soll er sich doch um die Sicherheit seiner Daten selbst kümmern, der Depp; ehrlich wahr.

Mit Sicherheit 1

SICHER beschwörst du tief Luft holend im Brustton der Überzeugung: „Sicher das“, und fertig ist der Satz. Schluss aus. Der Fall tritt ein. Mit Sicherheit; was auch immer – das – ist. Die Rente. Der Mückenschutz oder die Polizei dein Helfer. Da kannst du dich drauf verlassen wie auf das Amen in der Kirche oder die Bank von England. Für Sicherheit trägt keiner die Verantwortung. Damit ist jeder frei von Schuld, sollte das versprochene Sicher sich als unsicher erweisen; mithin ein wunderbar risikofreies Wort, das mit emsigen Eifer wieder und wieder wiederholt wird; sicher ist sicher. Das kann man nicht oft genug sagen und x-mal schreiben. Sieh dir das an:

Einfach

„Einfach“ belegt in den „Top-Ten der häufigsten Slogan-Wörter“ im Februar 2013 den vierten Platz. Das hat was: Einfach sein. Einfach denken. Einfach werben. Das tut den Kunden gut, wo alles so kompliziert und komplex ist. Mal eben telefonieren? Vergiss es: die T-Com bastelt an neuen Tarifpaketen. Gesundes essen? Vorsicht: Der Salat ist mit Pestiziden und Nitrat verseucht. Sich frei und sicher fühlen? Nichts da: Big Brother staubsaugt jede deiner Informationen ab.

Bindewort; doch

Das DOCH ist vom Stamme des „Aber“. Sacht und still hockt es auf seinen vier Buchstaben vor dir. Und ist Redeschwall pur. Nein, kein harmloser „Wortpartikel“, du Neunmalkluger, der du an das „Bindewort“ glaubst. Ja, brüll ruhig: „Ich bin DOCH nicht blöd“. Das ändert DOCH nichts. Du bist und bleibst bescheuert, mein lieber Konsument. Weil du dich einlullen lässt. Weil du Schiss hast; vielleicht bist du ja DOCH unterbelichtet. Hast was verpeilt, was alle längst schon haben. Gibst Kohle aus, wo andere umsonst drauf bauen. Läufst Waren nach, die lieblos sind. Ist DOCH peinlich.

Die Haltensquote

Nein, kein Rechtschreibfehler. Ja, du liest das richtig; „Haltensquote“. Ein Verb, ein Substantiv; fein zusammengeschrieben. Das Wort macht die Runde. Du glaubst mir nicht? Google nur, du Neunmalkluger: „Behaltensquote“, beharrt die Suchmaschine. „Nix da“, melden verwundert Duden und Brockhaus. Und doch ist es mitten unter uns; gesprochen und geschrieben: das wörtliche Monstrum, das wie ein Bulldozer durch die deutsche Sprache pflügt.

Großartig

…ist ein unwahrscheinliches, außerordentliches, aufsehenerregendes, überwältigendes Adjektiv. Irre, geil, wahnsinnig ist es; das großartige Beiwort. Das multipliziert, addiert, vervielfacht, summiert jede Trivialität ins Unermessliche, Gigantomanische. Dagegen kommt „einfach“ als einfaches kleines Wort, schlicht und bescheiden daher. Fällt nicht auf, fällt nicht ins Gewicht. Das „Einfach“ ist ein Furz der sich, kaum ausgehaucht, verflüchtigt. Das ist der Grund, warum du nicht einfach plauderst, sondern „großartig“ denkst und sprichst.

das ABER

…ist ein wunderbares Bindewort. Wie der Soßenkleber mit dem Frau Knorr die Gulaschsuppe verdickt, wenn Herrn Maggi das Wort im Halse stecken bleiben soll. „Schatzi“, knödelt es dann fix „die Brühe ist ganz wunderbar, aber…“. Da ruckelt der Mensch verwundert mit dem Kopf. Wartet auf das, was nach dem „aber“ kommt, was nicht passiert. Weil „das Aber“ dazu geschaffen ist, Ausgesprochenes mit Unausgesprochenem zusammen zu pappen. Das Lob auszuposaunen und die Strafe in der Luft schweben zu lassen.

Ein deutscher Megamarkt

… googelt sich mit 180.000.000 Ergebnissen in 0,21 Sekunden. Sieben Nullen! „Liebe. Hass. Wahnsinn. Soo! Muss Technik“ – ihm seins sein. Dem Pfundskerl, dem. Dem sternhagelvoll Geilen dem. Der sein Technik liebt und Teuer hasst; woa auf Qualität mal setzt. Ist ja nicht blöd der geizreiche Mann. Also: „Quatsch nicht. Kauf“, sagt der deutsche Megamarkt, wo wird nur von Jupiter übertroffen.